Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär  – Musical

Köln 2006
Produzent : FKP Scorpio, Hamburg Gesamtleitung Ausstattung

So verwegen wir der Kritiker der FAZ es beschreibt, war er wohl, der Plan dieses Musical auf die Bühne zu bringen. Dass es gelang, war für uns selbst ein kleines Wunder.Wir sind stolz und glücklich, dass wir es erschaffen haben.

Produktion: FKP Scorpio 2006

Funktion: Ausstattungsleitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung ( F A Z) 28.10.2006

© DPA

Blaubär auf der Bühne

Direkt hinterm Eingang werden die einströmenden Massen von dem Rettungsflugsaurier namens Mac begrüßt, der unter der Decke des „Blaubär Musical Palastes“ schwebt. Zuerst zu diesem Palast: Er ist eigentlich ein Zelt, vierzehn Meter hoch mit Platz für 1400 Besucher, das in einer Gegend von Köln steht, die seit dem Versinken des dortigen Fußballclubs Fortuna in sportlicher Dritt- oder Viertklassigkeit kaum ein Mensch mehr betritt. Das führt zurück zum Rettungssaurier: Er wird in dieser Glasscherbengegend dringend gebraucht. Aber braucht ihn das Stück, das heute abend hier zur Uraufführung gebracht wird, nicht noch dringender?

Man mußte es befürchten, denn das Musical „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ will in etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit den gleichnamigen Roman von Walter Moers auf die Bühne bringen, der a) mehr als siebenhundert Seiten hat, b) in einer Phantasiewelt namens Zamonien spielt, in der es von Fabelwesen, die man, gelinde gesagt, als schwer darstellbar bezeichnen könnte, nur so wimmelt, und c) eine nach Milionen zählende Leserschaft erfreut, von der sich bekanntlich jeder einzelne sein eigenes Bild gemacht hat, das im Theater gemeinhin nur enttäuscht werden kann. Immerhin kommen dem Musical zwei Dinge zugute: Moers hat sein Buch reich illustriert, so daß es keinen Zweifel darüber gibt, wie eine Berghutze, ein Gallertprinz, eine Tratschwelle oder eine schlechte Idee auszusehen haben. Und der Schauspieler Wolfgang Völz leiht Käpt’n Blaubär seit Jahrzehnten im Fernsehen seine Stimme, so daß es auch keinen Zweifel darüber geben kann, wie die Hauptperson spricht.

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Nur zwei Minuten für Völz

Und so spricht sie denn auch: mit der waterverkanteten Stimme von Völz, als der Kapitän zum Auftakt im Sessel auf die Bühne gefahren wird. Und so kennen wir ihn auch: blaue Hose, roter Strickpullover, lange Nase, blaues Fell. Aber in Hose, Pullover, Nase und Fell steckt natürlich nicht Wolfgang Völz, der als Musical-Akteur mutmaßlich keine Offenbarung wäre, sondern Sven Prüwer. Die Stimme von Völz kommt vom Band, und mehr als zwei Minuten redet er insgesamt nicht. Dann nimmt Prüwer die Bärenmaske ab, um besser singen zu können, und spielt fortan zwar in Hose, Pullover und Fell, aber ohne Maske und mit eigener Stimme – ein Blaubär mit Menschenkopf.

© DPA

Käpt’n Blaubär und seine Freunde in Köln

Das Schöne ist, daß man sich daran bald nicht mehr stört. Denn aus der Bühne wird eine Theaterwunderkammer. Es wird viel mit Puppen gespielt, die Kulissen sind spartanisch. Doch es gibt unglaublich gelungene schlichte Tricks.

Wenn das Riesenschiff „Moloch“ das Boot der Zwergpiraten passiert, dann wird ein dunkler Vorhang mit Bullaugen langsam auf der Bühne vorbeigezogen. Wenn Bläubär in ein Dimensionsloch fällt, gibt es eine teilbare Leinwand, auf die ein Schacht projiziert wird. Höhepunkt des Inszenierungsgeschicks (aber) ist der Flug von Mac, dessen gewaltiger Körper gleichfalls auf die Leinwand projiziert wird, aus der das gewaltige Haupt, auf dem Blaubär sitzt, hervorragt. Das Zelt verfällt darob in kollektiven Entzückungsrausch…()


Und weil es mehrere solcher Momente gibt, ist am Ende alles eitel Jubel, stehende Ovationen, Freudentänze. Der Rettungssaurier kann sich getrost auf den Bühnenpart beschränken und im Foyer den Grüßaugust machen: Dieses Musical braucht seine Hilfe nicht.